Interview mit Peter Pabel

Ein Blick hinter die Kulissen

Vita von Peter Pabel ITO-Stützpunkttrainer Niedersachsen in Form eines Interview

Gespräch mit Peter Pabel

Alex: Wie bist du zum Kampfsport gekommen?
Peter: Ehrlich gesagt hat mich eine Romanfigur inspiriert – Agent Larry Brent aus einem Groschenroman. Der trainierte Taekwondo. Also stand ich mit einem Telefonbuch in einer Telefonzelle (Internet gab’s ja nicht) und beschloss: Das wird mein Ding!

Alex: Gab es damals schon Kampfsportschulen?
Peter: 1973 landete ich bei der Sportschule Albert Biethan. Dort trainierte ich Judo und Taekwondo. Die Trainerqualität überzeugte mich aber nicht.

Porträt von Headcoach Peter Pabel

Alex: Hast du wieder aufgehört?
Peter: Ja, zuerst. Ich bin dann zum Boxen gewechselt – zum BC Sportmann Döhren in Hannover. Drei Jahre trainierte ich dort unter Coach Charly und wurde sogar für die Niedersachsen-Auswahl nominiert. Die Bundeswehrzeit bremste mich etwas aus, weil mein Versetzungsantrag nach Hannover abgelehnt wurde. Also trainierte ich nur eingeschränkt weiter.

Alex: Gab es Highlights in dieser Zeit?
Peter: Definitiv! Ich durfte mit David Attan trainieren, einem kenianischen Olympiaboxer. Das war eine völlig neue Welt und eine großartige Erfahrung.

Alex: Hattest du Vorbilder im Boxsport?
Peter: Cassius Clay (Muhammad Ali) und Sugar Ray Leonard!

Peter Pabel bei einem Wettkampf 1984

Alex: Und dann wieder Taekwondo?
Peter: Ja, aber parallel auch Bodybuilding in der Sportschule Jürgen Ullmann. Ab März 1977 ging’s wieder richtig mit Taekwondo los – diesmal im Sportcenter Mun Hwa in Hannover bei den Trainern Lee, Sung und Lee, Bum-I. Über 25 Jahre habe ich dort trainiert.

Alex: Gab es dort besondere Highlights?
Peter: Oh ja! Viermal habe ich mit dem Korea-Nationalteam trainiert. Mein Trainer Lee, Bum-I hatte ein riesiges Netzwerk; praktisch alle Großmeister mit Rang und Namen kamen nach Hannover für Lehrgänge – Ko Eu Min, Kang Jong Gil, Ra Jin Oh, Suh Young-Cheul, Chae, Ko Myong und viele mehr.

Alex: Irgendwann kam dein eigener Verein?
Peter: 1993 gründete ich die Sparte Taekwondo beim SV Weetzen; später kam Kickboxen dazu. Ich habe unzählige Lehrgänge und Turniere organisiert, war in ganz Deutschland unterwegs und habe viele großartige Trainer aller Stilrichtungen kennengelernt – zu vielen pflege ich heute noch Kontakt.

Urkunde von Peter Pabel aus seiner Kampfsportlaufbahn

Alex: Wie siehst du die heutige Kampfsportszene?
Peter: Da könnte ich Bücher schreiben. Nach über 50 Jahren erlebt man alles: Narzissten, Gürteljäger, Verbandshopper, „Ich-weiß-alles“-Schwarzgurte. In einer großen Taekwondo-Organisation saß ich im Executive Board und habe Mails gesehen, in denen hohe Danträger einfach nach Beförderungen fragten. Trotzdem gibt es noch ehrliche Trainer – man muss nur genau hinschauen.

Alex: Wo liegt deine persönliche Ausrichtung heute?
Peter: Gesundheitssport, Meditation, Fitness, Yoga, Neuroathletik und das Entwickeln neuer Trainingsideen – Stillstand bedeutet Rückschritt. Ich bin drei Mal pro Woche im Fitnessstudio, nehme Kurse (Mobility, Faszientraining, Yoga usw.) und lerne ständig dazu. Es ist schade, wie viel Wissen verloren geht, weil manche „Meister“ stur ihren Weg gehen und essenzielles Know-how ignorieren.

Headcoach Peter Pabel während eines Athletiktrainings

Alex: Danke für deine Offenheit.
Peter: Sehr gern!